Führungsintuition ist einer der Hauptunterschiede zwischen herausragenden und nur guten Führungskräften. Manche Menschen werden mit großer Führungsintuition geboren, andere müssen hart daran arbeiten, sie zu entwickeln und zu verfeinern. Wie auch immer sie sich entwickelt, das Ergebnis ist eine Kombination aus natürlicher Begabung und erlernten Fähigkeiten. Diese fundierte Intuition lässt die Führungskraft auf entscheidende Themen aufmerksam werden und ermöglicht es ihr, nicht greifbare Faktoren in den Griff zu bekommen, sie zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten, um Führungsziele zu erreichen.
Erfolgreiche Führungskräfte sehen jede Situation unter dem Aspekt der verfügbaren Ressourcen, des Geldes, der Rohstoffe, der Technologie und vor allem der Menschen. Intuitive Führungspersönlichkeiten spüren, was bei ihren Mitarbeitern vor sich geht und kennen fast sofort deren Hoffnungen, Ängste und Sorgen. Führungskräfte haben auch die Fähigkeit, von den Geschehnissen Abstand zu nehmen und nicht nur zu sehen, wohin sie und ihre Mitarbeiter sich entwickelt haben, sondern auch, wohin sie sich entwickeln können, wenn der Geruch von Veränderungen in der Luft liegt.
Jeder Mensch hat eine Art von Intuition, vor allem in dem Gebiet seiner Begabungen und Stärken. Wenn die Gabe die des Mitgefühls ist, dann können Führungskräfte spüren, wann jemand Trost braucht und wie sie ihn spenden können. Wenn Dienen die Gabe ist, weiß die Führungskraft instinktiv, wann und wie sie den Bedürftigen helfen kann. Und wenn die Führungskraft von Natur aus die Gabe hat, zu führen, dann sieht und bewertet sie alles mit der Brille der Führung.
Der Unterschied zwischen Mose und Jitro
Mose war eine gute Führungskraft, aber kein geborener Anführer. Als er Jitro traf, war er noch nicht lang ihr Anführer. Das Volk Israel hatte Ägypten gerade erst verlassen. Aber aufgrund seiner Prägung in Ägypten und der langen Zeit in der Wüste hatte sich die Intuition von Mose entwickelt.
Jitro hingegen war eine geborene Führungskraft. Warum? Weil er in einer Situation, die ihm noch nie begegnet war, genau wusste, was zu tun ist. Ihm war intuitiv klar, wie mehr als eine Million verärgerte und vertriebene Ex-Sklaven in der Wüste zu führen sind. Wer er war, bestimmte, was er sah. Jitro sah alles aus der Perspektive der Führung.
Über alle Prinzipien kann gesagt werden, dass das Prinzip der Intuition dasjenige ist, was am schwersten zu unterrichten ist. Das Lesen von Menschen und Situationen beschreibt am ehesten das, was darunter zu verstehen ist.
Jitro liest die Situation von Mose und dem Volk
Eine Reflexion der Geschichte von Jitro und seiner Fähigkeit, die Situation von Mose zu lesen, führt zu folgenden Erkenntnissen. Intuitive Führungskräfte lesen folgende Dinge:
1. Die Situation
Eine intuitive Führungskraft kann sehr schnell eine Situation einschätzen. Jitro beobachtete Mose einen Tag lang und reagierte sofort. Jitro musste keinen Berater anheuern oder intensive Untersuchungen und Analysen durchführen. Er sah das Problem sofort. Möglicherweise hat nicht jede intuitive Führungskraft sofort eine Lösung parat, wie es Jitro hatte. Aber sie spüren, dass eine Situation ihre Aufmerksamkeit braucht.
2. Die Trends
Eine intuitive Führungskraft sieht, was derzeit passiert und versteht, wo die Organisation gerade steht. Jitro sah, dass Mose in Schwierigkeiten geraten würde. Er sagte seinem Schwiegersohn: Du machst dich zu müde, dazu auch das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst es allein nicht ausrichten. (2. Mose 18.18)
Vielleicht war Mose in der Lage, Streitfälle effektiv zu richten. Vielleicht auch nicht. Aber selbst wenn er es gut gemacht hat, so wäre die schiere Menge an Fällen für ihn nicht mehr zu schaffen gewesen. Denn mit jedem Tag wurden es mehr. Jitro sah die Dynamik und ihre Konsequenzen, wenn Mose nichts verändern würde.
3. Die Ressourcen
Intuitive Führungskräfte wissen, wie sie die Ressourcen zur Umsetzung ihrer Vision beschaffen. Sie nehmen nichts als selbstverständlich hin und setzen alles ein, was ihnen zur Verfügung steht, um ihre Ziele zu erreichen. Jitro identifizierte Israels größte Werte. Das Herz von Mose, die Gunst Gottes und die Menschen. Er empfahl Mose, Gottes Rat zu suchen, den Menschen Gottes Gesetze zu unterrichten und sie zu befähigen, gemeinsam die Last zu tragen. Jitros Plan nutzte alles, was die Menschen an Wert besaßen.
4. Die Menschen
Die Fähigkeit im Umgang mit Menschen ist wahrscheinlich die größte Fähigkeit einer intuitiven Führungskraft. Einige verstehen, was es bedeutet zu führen, andere tun es einfach. Jitro verstand Menschen und Führung so gut, um zu wissen, wie er Mose unterstützen konnte, auch wenn dieser die Erfahrungen noch nicht gemacht hatte. Jitro wusste, dass Führung dauerhaft nicht auf Position begründet werden kann, sondern nur auf der Fähigkeit zu führen. Er wusste instinktiv, dass die richtigen Menschen in der Lage sind, tausende, hunderte, fünfzig oder 10 Menschen zu führen. Sie müssen nur dafür eingesetzt werden.
5. Sich selbst
Eine intuitive Führungskraft beobachtet sich selbst. Sie versteht ihre Stärken, ihre Schwächen und ihre allgemeine und individuelle Berufung. Jitro hatte nicht nur Moses Führungsherausforderung erkannt und verstanden, sondern wusste auch, dass er nicht der Mann für den Job sein kann. So nutzte er die Führungsfähigkeit von Mose und plante dementsprechend.
Jede Führungskraft aus der Bibel, die mit einer starken Intuition ausgestattet war, konnte die Situation lesen. Als Nehemia von Jerusalem erfuhr, wusste er, was zu tun ist. Als Josef den Traum vom Pharao verstanden hatte, wusste er, was zu tun ist.
Intuition, egal ob angeboren oder entwickelt, unterstützt eine gute Führungskraft auf dem Weg, eine großartige Führungskraft zu werden.
2. Mose 18
Jitros Besuch bei Mose
1 Und Jitro, der Priester in Midian, Moses Schwiegervater, hörte alles, was Gott an Mose und seinem Volk Israel getan hatte, dass der HERR Israel aus Ägypten geführt hatte.
2 Da nahm er mit sich Zippora, die Frau des Mose, die er zurückgesandt hatte,
3 samt ihren beiden Söhnen; von denen hieß einer Gerschom, denn Mose sprach: Ich bin ein Gast geworden in fremdem Lande,
4 und der andere Eliëser, denn er sprach: Der Gott meines Vaters ist meine Hilfe gewesen und hat mich errettet vor dem Schwert des Pharao.
5 Als nun Jitro, Moses Schwiegervater, und seine Söhne und seine Frau zu ihm in die Wüste kamen, an den Berg Gottes, wo er sich gelagert hatte,
6 ließ er Mose sagen: Ich, Jitro, dein Schwiegervater, bin zu dir gekommen und deine Frau und ihre beiden Söhne mit ihr.
7 Da ging Mose hinaus ihm entgegen und fiel vor ihm nieder und küsste ihn. Und als sie einander gegrüßt hatten, gingen sie in das Zelt.
8 Da erzählte Mose seinem Schwiegervater alles, was der HERR um Israels willen dem Pharao und den Ägyptern angetan hatte, und alle die Mühsal, die ihnen auf dem Wege begegnet war, und wie sie der HERR errettet hatte.
9 Jitro aber freute sich an all dem Guten, das der HERR an Israel getan hatte, dass er sie errettet hatte aus der Ägypter Hand.
10 Und Jitro sprach: Gelobt sei der HERR, der euch errettet hat aus der Ägypter und des Pharao Hand, ja, er hat das Volk aus der Hand Ägyptens errettet.
11 Nun weiß ich, dass der HERR größer ist als alle Götter, weil ihr eigener Hochmut auf sie zurückgefallen ist.
12 Und Jitro, Moses Schwiegervater, brachte Gott ein Brandopfer und Schlachtopfer dar. Da kamen Aaron und alle Ältesten von Israel, um mit Moses Schwiegervater das Mahl zu halten vor Gott.
Einsetzung von Richtern
13 Am andern Morgen setzte sich Mose, um dem Volk Recht zu sprechen. Und das Volk stand um Mose her vom Morgen bis zum Abend.
14 Als aber sein Schwiegervater alles sah, was er mit dem Volk tat, sprach er: Was tust du denn mit dem Volk? Warum musst du ganz allein dasitzen, und alles Volk steht um dich her vom Morgen bis zum Abend?
15 Mose antwortete seinem Schwiegervater: Das Volk kommt zu mir, um Gott zu befragen.
16 Denn wenn sie einen Streitfall haben, kommen sie zu mir, damit ich richte zwischen dem einen und dem andern und tue ihnen kund die Satzungen Gottes und seine Weisungen.
17 Sein Schwiegervater sprach zu ihm: Es ist nicht gut, wie du das tust.
18 Du machst dich zu müde, dazu auch das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst es allein nicht ausrichten.
19 Aber gehorche meiner Stimme; ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein. Vertritt du das Volk vor Gott und bringe ihre Anliegen vor Gott
20 und schärfe ihnen die Satzungen und Weisungen ein, dass du sie lehrst den Weg, auf dem sie wandeln, und die Werke, die sie tun sollen.
21 Sieh dich aber unter dem ganzen Volk um nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig sind und dem ungerechten Gewinn feind. Die setze über sie als Oberste über Tausend, über Hundert, über Fünfzig und über Zehn,
22 dass sie das Volk allezeit richten. Nur wenn es eine größere Sache ist, sollen sie diese vor dich bringen, alle geringeren Sachen aber sollen sie selber richten. So mach dir's leichter und lass sie mit dir tragen.
23 Wirst du dies tun und wird Gott es dir gebieten, so kannst du bestehen, und auch dies ganze Volk kann in Frieden heimkehren.
24 Mose gehorchte dem Wort seines Schwiegervaters und tat alles, was er sagte,
25 und erwählte redliche Leute aus ganz Israel und machte sie zu Häuptern über das Volk, zu Obersten über Tausend, über Hundert, über Fünfzig und über Zehn,
26 dass sie das Volk allezeit richteten, die schwereren Sachen vor Mose brächten und die kleineren Sachen selber richteten.
27 Und Mose ließ seinen Schwiegervater ziehen, und der ging zurück in sein Land.