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Inhalt
Am 29. Januar 2025 überquerte Boris Herrmann vor Les Sables-d’Olonne die Ziellinie der Vendée Globe. Der deutsche Segler war am 10. November 2024 mit 39 weiteren Booten gestartet, allein und ohne Zwischenstopp. Nach 80 Tagen, 10 Stunden und 16 Minuten belegte er mit der „Malizia – Seaexplorer“ Platz 12. Vor dem Start hatte er laut Veranstalter gesagt, alles außerhalb der ersten zehn wäre eine Enttäuschung. Die Wochen vor dem Ziel zeigen die Qualität der Problemlösung.
Über Wellenlinien führt ein goldener Zickzackkurs an drei markierten Hindernissen vorbei bis zum Zielpunkt – wie Boris Herrmann, der auf See ein Problem nach dem anderen löst.
01
Der Aufstieg in den Mast
Situation
Anfang Januar 2025 musste Herrmann vor der Küste Brasiliens in den 29 Meter hohen Mast steigen. Eine Leine zur Steuerung der Achterstagspannung war zu reparieren. Laut der Zeitschrift „Yacht“ sagte er dazu: „Ich habe Höhenangst.“ Er stieg trotzdem auf, mit neuer Kletterausrüstung und Anleitung seines Teams.
Bezug zur Qualität
Problemlöser warten nicht, bis ein Problem angenehm wird. Sie benennen ihre Grenze offen und sorgen für Hilfsmittel, die den Schritt möglich machen. Auch im Führungsalltag gilt: Ein unangenehmes Problem wird durch Aufschieben nicht kleiner.
02
Blitzeinschlag vor Brasilien
Situation
In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 2025 schlug bei Cabo Frio ein Blitz nahe dem Boot ein. Autopilot, Navigationsanzeigen und Radar fielen aus. Mit dem Team an Land brachte Herrmann Autopilot und Windinstrumente wieder zum Laufen. Das Radar blieb defekt, vieles musste er von Hand bedienen.
Bezug zur Qualität
Wenn mehrere Dinge gleichzeitig ausfallen, hilft eine Reihenfolge. Zuerst kommt das, was das Schiff steuerbar hält, der Rest kann warten. Führungskräfte lösen Krisen nicht mit einer großen Antwort, sondern mit der richtigen ersten.
03
Zwei Tage für ein Vorsegel
Situation
Am 10. Januar brach laut Veranstalter die Fallverriegelung eines Vorsegels. Die Reparatur dauerte zwei Tage. Wenige Tage zuvor hatte Herrmann noch um Platz sechs gekämpft.
Bezug zur Qualität
Gute Problemlöser nehmen sich die Zeit, die eine saubere Lösung braucht. Zwei Tage Reparatur kosten in einem Rennen Tempo, ein Segel, das nicht hält, kostet mehr. Wer führt, muss manchmal kurzfristig Boden abgeben, um das Ziel überhaupt zu erreichen.
04
Der zerstörte Foil
Situation
Am 16. Januar 2025 stieß das Boot rund 900 Seemeilen vor Brasilien mit einem unbekannten Objekt zusammen. Der Backbord-Foil war nicht mehr zu reparieren. Herrmann sicherte ihn und segelte weiter, fiel aber auf Platz 13 zurück. Der Veranstalter zitiert ihn auf Englisch sinngemäß: Es könne immer schlimmer kommen, das Boot sei sicher, er sei unverletzt, es gehe weiter.
Bezug zur positiven Einstellung
Positive Einstellung heißt nicht, den Schaden kleinzureden. Herrmann nennt ihn einen schwierigen Tag und zählt dann auf, was noch funktioniert. Diese Reihenfolge können Führungskräfte übernehmen: erst ehrlich sagen, was ist, dann den Blick auf das Machbare lenken.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Geh ein Problem an, bevor es dich aussucht.
02
Sag offen, was dir schwerfällt, und hol dir Hilfe.
03
Sichere zuerst das, was dich handlungsfähig hält.
04
Nimm dir Zeit für eine Lösung, die hält.
05
Zähl nach einem Rückschlag auf, was noch funktioniert.
Zusammenfassung
Boris Herrmann hat sein Ziel von den ersten zehn verfehlt. Trotzdem zeigt sein Rennen, was Problemlösung bedeutet: vier schwere Störungen in zehn Tagen, jede einzeln abgearbeitet. Er blieb offen über seine Lage und hielt am Ankommen fest. Von 40 gestarteten Booten erreichten 32 das Ziel in der Wertung.