Mit Esau dokumentiert die Bibel eine eindrucksvolle Geschichte einer Führungskraft, die keine klare Vision hat. Während die Augen mancher Menschen größer sind als ihre Mägen, war es in diesem Fall genau andersherum.
Der erstgeborene Sohn von Isaak und Rebekka, Esau, liebte schon sehr früh die freie Natur. Er war ein geschickter Jäger, stark, einfallsreich und robust, wie es sonst nur wenige gab. Aber er lebte vollständig in der Gegenwart, im Heute und verließ sich vollständig auf seine eigene Kraft und seine eigenen Ressourcen. Dadurch versäumte er es, klar in die Zukunft zu sehen. Das Morgen spielte keine Rolle.
Esau ist damit nicht allein. Auch heute haben zahlreiche Führungskräfte das gleiche Problem. Am Beispiel der Kurzsichtigkeit Esaus lassen sich folgende Punkte herausarbeiten:
- Esau konzentrierte sich ausschließlich auf das Hier und Jetzt, in der Überzeugung, dass es kein Morgen gibt.
- Esau verließ sich auf seine natürlichen Gaben und auf seine Geburtsreihenfolge und nicht auf Gottes Plan.
- Esaus Kurzsichtigkeit veranlasste ihn dazu, das Höchste aufzugeben, um das Unmittelbarste (eine einzige Mahlzeit) zu bekommen.
- Esau, der von seinem Vater begünstigt wurde, mag gedacht haben, dass Isaaks Liebe ihn vor jeder schlechten Entscheidung bewahren würde, die er treffen könnte.
- Esaus begrenzte Sichtweise veranlasste ihn, eine Hethiterin zu heiraten, eine Entscheidung, die seine Eltern betrübte.
- Esaus getrübte Sicht machte ihn blind für die Täuschung durch seinen Bruder Jakob.
In seinem Vermächtnis, das symbolisch für sein Leben steht, wurden Esaus Nachkommen zu Feinden Israels. Wann immer das Wort Edom in der Bibel auftaucht, oder von den Auseinandersetzungen Israels mit den Edomitern gesprochen wird, liegt dies an Esau. Denn durch ihn sind diese hartnäckigen Gegner Israels erst entstanden. Die Feindseligkeit zwischen diesen zwei alten Völkern wird sogar in den Psalmen deutlich:
Ps. 137.7 HERR, vergiss den Söhnen Edom nicht den Tag Jerusalems, / da sie sagten: »Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!«
Rückwirkend ist Esau als ein egozentrischer Mann mit einer mangelhaften Qualität der Vision bekannt. Hebräer 12.15-16 sagt, dass Menschen sich selbst prüfen sollen, „damit nicht jemand Unzucht treibt oder wie Esau, der um einen Bissen Nahrung sein Erstgeburtsrecht verkaufte“.
Am Ende schenkt Gott Esau doch noch seine Gnade. Denn bevor er starb, zeigte sich, dass er reifer geworden war. 1. Mose 32 und 33 beschreiben ein furchterregendes Treffen zwischen Esau und seinem entfremdeten Bruder Jakob. Als sich die beiden nach Jahren der Trennung endlich wiedersahen, umarmte Esau den Betrüger Jakob und verzieh ihm auf der Stelle. Das ist ein Happy End. Doch was hätte sein können, wenn Esau das Verständnis über diese Vision früher entwickelt hätte?