Nach dem WM-Aus sucht Österreichs Teamchef den Fehler zuerst bei sich. Mit 68 Jahren ändert er seine Vorbereitung und baut eine neue Führungsgruppe auf.
Prinzip vom Wachstum: Um additiv zu wachsen, führe Nachfolger. Um multiplikativ zu wachsen, führe Führungskräfte.
2 Min. Lesezeit5 AbschnitteSituationBezug zur Qualität
Inhalt
Österreich schied bei der Weltmeisterschaft 2026 mit einem 0:3 gegen Spanien aus. Ralf Rangnick, 68 Jahre alt und einer der erfahrensten Trainer Europas, hätte viele Erklärungen gehabt: Verletzte, die Stärke des Gegners, Pech. Er wählte eine andere. Sein Umgang mit der Niederlage zeigt, was Lernfähigkeit bei einer Führungskraft bedeutet, die längst alles zu wissen scheint. Ein Beispiel für die Qualität der Lernfähigkeit.
Eine goldene Linie fällt aus ihrer geraden Bahn ab, dreht eine Schleife zurück über sich selbst und steigt danach höher als zuvor – wie Ralf Rangnick nach dem WM-Aus den Fehler bei sich sucht und daraus lernt.
01
Erst würdigen, dann auswerten
Situation
Vier Tage nach dem Ausscheiden wandte sich Rangnick an die Öffentlichkeit. Er dankte der Mannschaft für Einsatz und Zusammenhalt und erklärte, er sehe in diesem Team noch viel Potenzial.
Bezug zur Qualität
Lernen braucht Sicherheit. Wer nach einer Niederlage zuerst Schuldige sucht, bringt Menschen dazu, Fehler zu verbergen. Rangnick schützt die Mannschaft und schafft damit die Voraussetzung für eine ehrliche Analyse.
02
Der Fehler in der eigenen Verantwortung
Situation
Vor dem Start der Nations League im September räumte Rangnick ein, in der WM-Vorbereitung zu wenig an der Intensität gearbeitet und den Spielern in den Pausen zu viele Freiheiten gelassen zu haben. Das würde er nicht noch einmal so machen.
Bezug zur Qualität
Lernfähige Führungskräfte beginnen die Analyse bei sich. Das kostet kurz Ansehen und bringt dauerhaft Glaubwürdigkeit. Wer den eigenen Anteil benennt, darf auch von anderen Veränderung verlangen.
03
Aus der Einsicht wird eine Änderung
Situation
Rangnick kündigte an, zum aggressiven, intensiven Fußball zurückzukehren, der Österreich zuvor ausgezeichnet hatte.
Bezug zur Qualität
Eine Einsicht ohne Folgen ist noch kein Lernen. Der Maßstab ist, was am nächsten Trainingstag anders läuft.
04
Neue Führungsspieler aufbauen
Situation
Der Kader hat sich verändert: Marko Arnautović ist aus dem Nationalteam zurückgetreten, David Alaba und Marcel Sabitzer fehlten. Rangnick machte Michael Gregoritsch (78 Länderspiele, 24 Tore) zum Kapitän für die ersten Spiele und berief in den 27-Mann-Kader sechs Debütanten; neun Spieler waren bei der WM nicht dabei.
Bezug zum Prinzip
Wer selbst lernt, traut auch anderen Entwicklung zu. Rangnick nutzt den Umbruch, um neue Verantwortungsträger aufzubauen. Das entspricht dem Prinzip vom Wachstum: Führungskräfte entwickeln Führungskräfte.
05
Der erste Beleg
Situation
Am 24. September gewann Österreich in Linz 3:1 gegen Israel. Zwei der drei Tore fielen ab der 90. Minute.
Bezug zur Qualität
Ein Spiel beweist wenig. Es zeigt aber, dass die Mannschaft die neue Richtung annimmt. Lernen wird sichtbar, wenn das Verhalten unter Druck anders ist als zuvor.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Würdige dein Team, bevor du die Niederlage auswertest.
02
Suche den ersten Fehler bei dir.
03
Sprich deine Einsicht aus. Das gibt anderen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
04
Mache aus jeder Einsicht eine konkrete Änderung.
05
Nutze Umbrüche, um neue Verantwortungsträger aufzubauen.
Zusammenfassung
Erfahrung kann Lernen ersetzen oder vertiefen. Rangnick zeigt die zweite Möglichkeit: Er benennt seinen Anteil an der Niederlage, ändert seine Arbeit und gibt neuen Spielern Verantwortung. Lernfähigkeit ist keine Frage des Alters. Sie ist eine Entscheidung nach jeder Niederlage.