Michael Leiters und die Qualität der Verbindlichkeit
Der Porsche-Chef hält an einer Zusage gegenüber der Belegschaft fest, während der Mutterkonzern Volkswagen in einen offenen Tarifkonflikt geht. Zwei Wege durch dieselbe Krise.
3 Min. Lesezeit5 AbschnitteSituationBezug zur Qualität
Inhalt
Die deutsche Autoindustrie steht im Herbst 2026 unter hohem Kostendruck. Im Volkswagen-Konzern lassen sich in diesen Wochen zwei Führungswege beobachten. Der eine zeigt, was Verbindlichkeit bedeutet. Der andere zeigt, was es kostet, wenn die Zustimmung der Belegschaft fehlt. Ein Beispiel für die Qualität der Verbindlichkeit.
Zwei Ketten liegen übereinander: Die obere hält dank eines kräftigen goldenen Glieds zusammen, die untere ist in der Mitte gerissen – wie Leiters’ gehaltene Zusage im Vergleich zum offenen Konflikt.
01
Eine Zusage unter Druck
Situation
Michael Leiters führt Porsche seit Januar 2026. Mit den Arbeitnehmervertretern hat das Unternehmen ein Zukunftspaket ausgehandelt, das den Abbau von 5.000 Stellen bis 2035 vorsieht. Im September berichteten Medien, im Volkswagen-Konzern halte man bei Porsche weitere rund 4.000 Stellen für entbehrlich.
Bezug zur Qualität
Verbindlichkeit zeigt sich erst, wenn sie etwas kostet. Solange niemand an einer Zusage rüttelt, ist sie leicht zu halten.
02
„Weder mehr noch weniger“
Situation
Am 21. September widersprach Leiters öffentlich: „Der Abbau von weiteren 4.000 Stellen bei Porsche ist nicht geplant.“ Zum vereinbarten Paket sagte er: „Es beläuft sich auf 5.000 Stellen, weder mehr noch weniger.“ Zugleich bestätigte er die Jahresprognose.
Bezug zur Qualität
Verbindliche Führungskräfte sprechen eindeutig. Leiters lässt keinen Deutungsspielraum und nennt eine Zahl. Damit weiß die Belegschaft, woran sie ist, und kann sich auf die Arbeit konzentrieren.
03
Verbindlichkeit heißt nicht Schonung
Situation
Das Paket selbst ist hart. Die Strategie „Sportwagenschmiede 2035“, vorgestellt am 4. August, beginnt mit Kostensenkung und finanzieller Stabilisierung. Leiters formuliert den Anspruch: „Wir wollen in jedem Segment die sportlichsten Fahrzeuge anbieten.“
Bezug zur Qualität
Verbindlichkeit ist kein Versprechen, dass nichts wehtut. Sie ist das Versprechen, dass das Vereinbarte gilt. Wer harte Einschnitte ausgehandelt hat, schuldet den Betroffenen umso mehr Verlässlichkeit.
04
Das Gegenbild: Umbau ohne Zustimmung
Situation
Der VW-Aufsichtsrat billigte am 4. September ein Programm mit 50.000 weiteren Stellen. Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Audi Neckarsulm ist nach Angaben des Unternehmens ab 2031 bis 2034 keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert. Am 1. Oktober kündigte VW zehn Tarifverträge. Betriebsrat und IG Metall sprechen von einem „üblen Foul an der Belegschaft“ und von „Erpressung“; Streiks sind möglich, sobald die Friedenspflicht endet.
Bezug zum Prinzip
Das Prinzip der Akzeptanz sagt: Menschen entscheiden sich zuerst für die Führungskraft, dann für den Plan. Konzernchef Oliver Blume begründet den Kurs mit der wirtschaftlichen Lage, und die Zahlen sprechen für Handlungsbedarf. Ein Plan kann sachlich begründet sein und trotzdem nicht getragen werden. Dann bezahlt die Organisation mit Konflikt, was ihr an Zustimmung fehlt.
05
Was die beiden Wege unterscheidet
Situation
Beide Unternehmen bauen Stellen ab. Bei Porsche steht eine Vereinbarung, auf die sich beide Seiten berufen können. Bei VW wurden Vereinbarungen gekündigt.
Bezug zur Qualität
Vertrauen ist der feste Boden jeder Veränderung. Eine gehaltene Zusage zahlt darauf ein, auch wenn ihr Inhalt schmerzt. Welche der beiden Linien wirtschaftlich die richtige ist, wird sich zeigen. Für die Führung gilt schon jetzt: Verlässlichkeit ist eine Währung, die in der Krise an Wert gewinnt.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Eine Zusage beweist sich erst unter Druck.
02
Sprich in Zahlen und klaren Sätzen, wenn Gerüchte umgehen.
03
Verbindlichkeit bedeutet nicht, Menschen zu schonen, sondern Vereinbartes zu halten.
04
Gewinne zuerst die Menschen, dann stelle den Plan vor.
05
Rechne den Preis fehlender Zustimmung mit ein: Zeit, Konflikt, Vertrauen.
Zusammenfassung
Leiters steht zu einem ausgehandelten Paket und sagt das öffentlich, auch gegenüber dem Mehrheitseigner. Bei Volkswagen wird ein größerer Umbau gegen den Widerstand der Arbeitnehmerseite vorangetrieben. Der Vergleich zeigt, wie eng Verbindlichkeit, Vertrauen und Akzeptanz zusammenhängen.