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Inhalt
Das Prinzip vom festen Boden (The Law of Solid Ground) besagt, dass Vertrauen das Fundament jeder Führung ist. Vertrauen entsteht durch Kompetenz, Verbindung und Charakter – und es geht verloren, wenn Menschen den Eindruck gewinnen, dass eine Führungskraft Fragen ausweicht oder Verantwortung von sich weist. Zwei Vorgänge aus der Amtszeit von Olaf Scholz zeigen, wie sehr die öffentliche Wahrnehmung von Transparenz das Vertrauen in eine Führungsperson prägt: der Wirecard-Skandal während seiner Zeit als Bundesfinanzminister und die Fragen rund um die Hamburger Warburg-Bank und Cum-Ex-Geschäfte aus seiner Zeit als Erster Bürgermeister von Hamburg.
Ein Fundament aus Blöcken mit einzelnen Lücken, darüber Nebel – Vertrauen braucht festen Boden und offene Antworten.
Wichtig vorab: Ein persönliches Fehlverhalten wurde Olaf Scholz in beiden Fällen nicht nachgewiesen. Eine politische Einflussnahme auf das Steuerverfahren der Warburg-Bank hat er stets zurückgewiesen. Dieses Beispiel betrachtet deshalb nicht die Schuldfrage, sondern die Führungsfrage: Wie entsteht – und wie schwindet – Vertrauen?
01
Wirecard: Wenn die Aufsicht versagt
Situation
Im Juni 2020 brach der Zahlungsdienstleister Wirecard zusammen, nachdem 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz nicht auffindbar waren. Die Finanzaufsicht BaFin, die dem Bundesfinanzministerium untersteht, hatte Warnsignale jahrelang nicht ernst genug genommen. Olaf Scholz war zu dieser Zeit Bundesfinanzminister.
Bezug zum Prinzip
Vertrauen in eine Organisation ist immer auch Vertrauen in ihre Führung. Wenn eine nachgeordnete Behörde versagt, fragen die Menschen nach der Verantwortung an der Spitze – unabhängig davon, wer die Fehler im Einzelnen gemacht hat.
02
Verantwortung zeigen – oder abgeben?
Situation
Scholz reagierte mit einer Reform der BaFin; Anfang 2021 musste deren Präsident gehen. Vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags erklärte Scholz im April 2021, die Verantwortung für den Betrug liege bei den Tätern und nicht bei der Bundesregierung. Kritiker sahen darin den Versuch, Verantwortung von sich zu weisen; Unterstützer verwiesen auf die eingeleiteten Reformen.
Bezug zum Prinzip
Für den festen Boden zählt nicht nur, ob Fehler behoben werden, sondern auch, wie eine Führungskraft über sie spricht. Wer Verantwortung sichtbar übernimmt, gewinnt Vertrauen – selbst dann, wenn er den Fehler nicht selbst verursacht hat.
03
Cum-Ex und die Warburg-Bank: Die Macht der Erinnerungslücke
Situation
Als Erster Bürgermeister von Hamburg traf sich Scholz 2016 und 2017 mit einem Miteigentümer der Warburg-Bank, gegen die wegen Cum-Ex-Geschäften ermittelt wurde. Vor dem Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft gab er an, sich an den Inhalt dieser Gespräche nicht erinnern zu können. Eine Einflussnahme auf das Steuerverfahren wies er zurück.
Bezug zum Prinzip
Erinnerungslücken mögen ehrlich sein – für viele Menschen wirken sie dennoch wie ein Ausweichen. Genau hier zeigt sich das Prinzip vom festen Boden: Vertrauen hängt nicht nur von Fakten ab, sondern davon, ob eine Führungskraft den Eindruck vermittelt, offen und vollständig zu informieren.
04
Vertrauen ist ein Kontostand
Situation
Beide Vorgänge begleiteten Scholz über Jahre hinweg und wurden in Wahlkämpfen und Parlamentsdebatten immer wieder aufgegriffen – auch als er Bundeskanzler war.
Bezug zum Prinzip
Das Prinzip vergleicht Vertrauen mit Wechselgeld in der Tasche einer Führungskraft: Gute Entscheidungen füllen das Konto, Fehler und unklare Kommunikation leeren es. Offene Fragen, die lange unbeantwortet bleiben, kosten Vertrauen auch dann, wenn am Ende kein Fehlverhalten festgestellt wird.
Das nimmst du mit
Schlüssel-Lektionen zum Prinzip vom festen Boden
01
Verantwortung sichtbar übernehmenWer an der Spitze steht, wird für die ganze Organisation in die Pflicht genommen – auch für Fehler anderer.
02
Transparenz schlägt RechtfertigungOffene, vollständige Information stärkt das Vertrauen mehr als der Hinweis, formal nicht zuständig zu sein.
03
Wahrnehmung zähltSelbst ehrliche Erinnerungslücken können wie Ausweichen wirken. Führungskräfte sollten Unklarheiten aktiv aufklären.
04
Vertrauen braucht ZeitEinmal entstandene Zweifel begleiten eine Führungskraft lange – das Vertrauenskonto füllt sich langsamer, als es sich leert.
Zusammenfassung
Die Wirecard-Pleite und die Warburg-Affäre zeigen, wie eng Vertrauen und Transparenz mit dem Prinzip vom festen Boden verbunden sind. Unabhängig von der Schuldfrage macht das Beispiel deutlich: Führungskräfte stehen auf festem Boden, wenn sie Verantwortung sichtbar übernehmen, offene Fragen aktiv klären und Menschen den Eindruck geben, dass nichts verborgen bleibt.