Movie – September 5 und die Qualität des Urteilsvermögens
Eine Sportredaktion sendet plötzlich live von einer Geiselnahme. Der Film zeigt, wie schwer es ist, unter Zeitdruck Gesichertes von Gerüchten zu trennen.
Alles fällt durch den Filter. Die eine Hälfte kommt durch, die andere wird aussortiert.
Führungsqualität #7
Qualität vom Urteilsvermögen: Viele glauben die Hälfte von dem, was sie hören. Gute Führungskräfte wissen, welcher Hälfte.
Führungsqualität #16
Qualität der Verantwortung: Aufrichtige Führungskräfte übernehmen Verantwortung – für sich und für ihre Menschen.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zur Qualität
Inhalt
„September 5“ ist ein Film von Tim Fehlbaum, produziert in Deutschland. Er startete am 9. Januar 2025 in den deutschen Kinos. Der Film spielt im Studio von ABC Sports bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Am 5. September nehmen Terroristen israelische Sportler als Geiseln. Dieser Artikel beschreibt die Darstellung im Film. Sie ist ein Lehrstück über Urteilsvermögen. Ein Beispiel für die Qualität des Urteilsvermögens.
Viele verstreute Punkte laufen in einen Trichter, heraus kommt eine einzige goldene Linie – wie das Trennen von Gesichertem und Gerücht in „September 5“.
01
Wer berichtet?
Situation
Die Zentrale will die Berichterstattung an die Nachrichtenredaktion abgeben. Sportchef Roone Arledge behält sie in München. Sein Team ist am nächsten dran. Der junge Produzent Geoffrey Mason leitet den Regieraum.
Bezug zur Qualität
Urteilsvermögen beginnt mit der Frage, wer eine Lage am besten beurteilen kann. Nähe zum Geschehen ist ein Vorteil. Sie ersetzt aber keine Erfahrung. Führungskräfte sollten wissen, was ihrem Team für eine Aufgabe fehlt.
02
Was darf live gezeigt werden?
Situation
Das Team richtet eine Kamera auf das Quartier der Geiseln. Ein Mitarbeiter gelangt mit einem gefälschten Ausweis ins abgesperrte Dorf. Die Live-Bilder sind auch für die Geiselnehmer sichtbar. Polizisten stürmen den Regieraum und erzwingen den Abbruch der Übertragung.
Bezug zur Qualität
Nicht alles, was möglich ist, ist richtig. Im Tempo der Ereignisse übersieht das Team, wer noch zusieht. Gute Führung fragt vor einer Entscheidung, wen sie trifft und was sie auslösen kann.
03
Die voreilige Meldung
Situation
In der Nacht hört die Übersetzerin Marianne Gebhardt, die Geiseln seien frei. Das ZDF scheint das zu bestätigen. Marvin Bader, der Leiter des Sendebetriebs, drängt darauf, eine Bestätigung abzuwarten. Mason lässt die Meldung trotzdem senden, mit einem Vorbehalt.
Bezug zur Qualität
Eine gute Nachricht, die alle hören wollen, prüft man am wenigsten. Genau dann braucht es Disziplin. Ein Vorbehalt im Nebensatz schützt nicht. Führungskräfte müssen klar trennen: Was wissen wir, und was hoffen wir?
04
Die Korrektur
Situation
Die Befreiung am Flughafen ist gescheitert. Alle Geiseln sind tot. Moderator Jim McKay korrigiert die Meldung live. Sein Satz dazu ist bekannt geworden: „They’re all gone.“ Mason bleibt am Ende vor den Fotos der Opfer stehen.
Bezug zur Qualität
Wer einen Fehler macht, muss ihn selbst und schnell richtigstellen. Das gehört zur Verantwortung. Besser ist es, die warnende Stimme im Raum ernst zu nehmen, bevor entschieden wird.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Trenne klar zwischen dem, was du weißt, und dem, was du hoffst.
02
Prüfe gute Nachrichten genauso streng wie schlechte.
03
Frag vor jeder Entscheidung, wen sie noch betrifft.
04
Hör auf die Person im Raum, die zur Vorsicht mahnt.
05
Korrigiere Fehler sofort und selbst.
Zusammenfassung
„September 5“ zeigt Menschen, die unter großem Druck entscheiden müssen. Manche Entscheidungen sind mutig, andere voreilig. Der Film verurteilt die Redaktion nicht, er macht die Folgen sichtbar. Urteilsvermögen heißt hier: Tempo darf die Prüfung nicht ersetzen.