Wer ein weltweites Amt übernimmt, könnte zuerst reden. Papst Leo XIV. kündigt in seinen ersten Wochen an, zuerst zuzuhören, und schafft dafür feste Formen.
Wellen laufen von links nach rechts. Wer zuhört, nimmt sie vollständig auf.
Führungsqualität #11
Qualität vom Zuhören: 60 Prozent der Managementprobleme entstehen durch mangelhafte Kommunikation – meist durch schlechtes Zuhören.
Führungsprinzip #10
Prinzip der Verbindung: Führungskräfte berühren ein Herz, bevor sie um eine unterstützende Hand bitten.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zur Qualität
Inhalt
Am 8. Mai 2025 wählte das Konklave im vierten Wahlgang Robert Francis Prevost zum Papst. Er nahm den Namen Leo XIV. an und ist der erste Papst, der in den USA geboren wurde. Zuvor leitete er von 2001 bis 2013 den Augustinerorden und war von 2015 bis 2023 Bischof von Chiclayo in Peru. 2023 wurde er Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe. In seinem ersten Amtsjahr fällt eine Führungsqualität auf: das Zuhören. Ein Beispiel für die Qualität des Zuhörens.
Viele Punkte strömen von links auf einen goldenen Punkt zu, der sie mit offenen Bögen aufnimmt – wie ein Papst, der zuerst zuhört.
01
Die erste Ansprache: Frieden und Dialog
Situation
In seiner ersten Ansprache am Abend der Wahl sprach Leo XIV. von Frieden, vom Dialog und vom Brückenbauen. Er warb für eine Kirche, die gemeinsam unterwegs ist. Damit setzte er den Ton, bevor er eine einzige Entscheidung getroffen hatte.
Bezug zur Qualität
Die ersten Worte im neuen Amt zeigen, wie jemand führen will. Wer mit Dialog beginnt, lädt andere ein, sich zu äußern. Neue Führungskräfte gewinnen mehr, wenn sie in den ersten Tagen Fragen stellen statt Ansagen machen.
02
Ein Versprechen in der Lateranbasilika
Situation
Am 25. Mai 2025 nahm Leo XIV. seine Bischofskirche in Rom in Besitz. Laut Vatican News sagte er dort, er wolle, soweit es ihm möglich sei, allen zuhören, „damit wir gemeinsam lernen, verstehen und entscheiden können“. Er verwies auf die frühe Kirche, die Streitfragen im Dialog gelöst habe.
Bezug zur Qualität
Der Satz nennt eine Reihenfolge: lernen, verstehen, dann entscheiden. Zuhören ist hier kein freundlicher Zusatz, sondern der erste Schritt zur Entscheidung. Wer führt, hört zu, um besser zu entscheiden, nicht um Entscheidungen zu vermeiden.
03
Zuhören als Fähigkeit, die man übt
Situation
Am 10. Oktober 2025 sprach der Papst im Vatikan zu Ordensleuten. Er lud sie ein, über Synodalität nachzudenken, also über das gemeinsame Beraten und Entscheiden. Ordensgemeinschaften seien berufen, „Experten in Synodalität“ zu werden.
Bezug zur Verbindung
Leo XIV. spricht eine Gruppe auf das an, was sie aus eigener Erfahrung kennt. So entsteht Verbindung: Menschen fühlen sich gesehen, bevor sie um etwas gebeten werden. Führungskräfte erreichen ihr Team, wenn sie an dessen Stärken anknüpfen.
04
Die Kardinäle wählen die Themen
Situation
Am 7. und 8. Januar 2026 kamen rund 170 Kardinäle zu einem außerordentlichen Konsistorium zusammen. Vier Themen standen zur Wahl. Die Kardinäle stimmten selbst ab und wählten zwei davon, Synodalität und Mission. Der Papst versicherte laut Vatican News: „Die anderen Themen gehen nicht verloren.“
Bezug zur Qualität
Zuhören braucht eine Form. Wer die Tagesordnung allein festlegt, hört nur Antworten auf eigene Fragen. Wer die Runde mitbestimmen lässt, erfährt, was sie wirklich bewegt. Die Zusage, den Rest nicht zu vergessen, hält das Vertrauen der Überstimmten.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Beginne ein neues Amt mit Fragen, nicht mit Ansagen.
02
Hör zu, um besser zu entscheiden, nicht um auszuweichen.
03
Sprich Menschen auf ihre Stärken an, bevor du etwas forderst.
04
Lass dein Team die Tagesordnung mitbestimmen.
05
Sag zu, dass zurückgestellte Themen nicht verloren gehen.
Zusammenfassung
Papst Leo XIV. hat das Zuhören früh zum Arbeitsprinzip erklärt. Er hat es angekündigt, begründet und in ein Beratungsformat mit den Kardinälen übersetzt. Für Führungskräfte liegt darin eine einfache Einsicht. Zuhören wirkt erst, wenn es feste Orte und Zeiten bekommt.