Der junge König Josia ist ein klassisches Beispiel für das Prinzip vom Vorbild. Seine Führung führte zu einer landesweiten Reform und aus seiner Geschichte können Führungskräfte sehr viel über Veränderungsprozesse lernen. Äußere Veränderung beginnt mit innerer Erneuerung.
In 2. Könige 22-23 wird deutlich, wie sehr Josia Gott verehrt und wie sehr er sich danach sehnt, die Menschen gut zu leiten. Er wurde mit acht Jahren König von Juda. Sehr jung für diese Verantwortung. Aber seine eigene spirituelle Leidenschaft für Gott begann das gesamte Volk zu beeinflussen und induzierte Reformen auf landesweiter Ebene. Führungskräfte müssen den Wandel innerlich vollziehen, den sie äußerlich sehen wollen. Wie eine Atombombe müssen sie erst implodieren, bevor sie explodieren können. Für König Josia sah der Kreislauf so aus:
- Persönliche Erneuerung (innere Veränderung beim König)
- Persönliche Veränderung (äußerliche Veränderung beim König)
- Landesweite Reform (innerliche Veränderung beim Volk)
- Landesweite Veränderung (äußerliche Veränderung beim Volk)
Veränderung verläuft von innen nach außen.
Um eine Veränderung der äußeren Welt zu erzeugen, muss die Führungskraft erst einen inneren Wandel vollziehen. Dabei geht es nicht so sehr um die Verhaltensanpassung, sondern vielmehr um die Transformation im Herzen. Als der junge König seinen ungesunden Lebensstil erkannte, zeigte er Reue und kehrte um. Er wollte sich verändern. Das verdeutlicht, dass Führung immer mit Selbstführung beginnt. Erst leitet die Führungskraft sich selbst, bevor sie andere leitet. Als sich das Herz von Josia veränderte, konnte er es nicht zurückhalten. Es floss aus ihm heraus.
Als König war er in der Position, auch Einfluss auf das Leben anderer zu nehmen. Sein Vorbild beschleunigte die landesweite Reform, weil jeder sehen konnte, wie sich sein Leben verändert hatte. Die Veränderung begann in ihm selbst und wurde dann öffentlich sichtbar. In dem Moment begann das Feuer auch in denen zu brennen, die die Veränderung sahen und führte Schritt für Schritt zu einer landesweiten Reform.
Als Albert Schweitzer über Führung sprach, sagte er:
Mit gutem Beispiel voranzugehen, ist nicht nur der beste Weg, andere zu beeinflussen, es ist der einzige.
Auch wenn das vielleicht wie eine Übertreibung klingt, so sagte Schweitzer eigentlich nur, dass alle Worte, die eine Führungskraft spricht, keine Bedeutung haben, wenn sie nicht durch das Vorbild bestätigt werden. Hypothesen sind wie ein Loch in der Glaubwürdigkeit der Führungskraft. Wenn die Führungskraft sie nicht mit eigenen Erfahrungen und tiefem Verständnis untermauern kann, verliert sie Autorität. Colin Powell sagte:
You can issue all the memos and give all the motivational speeches you want, but if the people in your organization don't see you putting forth your very best effort every single day, they don't either.
Sie können noch so viele Memos schreiben und noch so viele Motivationsreden halten, wenn Ihr Unternehmen nicht sieht, dass Sie jeden Tag Ihr Bestes geben, tun es die anderen auch nicht.
Durch sein eigenes Leben war Josia den Menschen ein Vorbild in der Veränderung, die er sich wünschte. Er lebte das Sprichwort: Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst. Das war der Grund, warum er so viel Veränderung in so kurzer Zeit bewirken konnte. Andere Könige scheiterten an diesen Reformen oder leiteten sie gar in eine komplett andere Richtung. Es braucht einen Anführer, der ein Vorbild ist.
Prinzipien innerhalb des Prinzips vom Vorbild:
1. Die meisten Menschen sind visuelle Lerner, nicht verbale.
Pädagogen sagen, dass der größte Teil des Lernens visuell passiert. Deswegen brauchen die meisten Menschen ein Vorbild und ein Beispiel, um es richtig zu verstehen. Denn was sie sehen, das können sie mal werden, und ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Die Leute sagen auch oft: Sag es mir nicht nur, sondern zeige es mir.
2. Gute Kommunikation macht eine Vision klar. Ein gutes Vorbild erweckt sie zum Leben.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass Worte wichtig sind. Sie machen die Vision klar, die eine Führungskraft etablieren will. Doch ein Vorbild ist viel stärker, mächtiger und seltener. Es erweckt eine Vision zum Leben. Menschen sehen, was möglich ist, wenn sie der Vision vertrauen.
3. Es ist einfacher zu unterrichten, als vorzuleben.
Jeder Vater und jede Mutter weiß das. Denn sie finden immer genau das Richtige, was ihr Kind gerade braucht. Leider folgen den Worten nicht immer auch Taten. Für Führungskräfte gilt es das vorzuleben, was gepredigt wird. Egal, wie schwierig es ist.
4. Führungskräfte arbeiten zuerst an sich selbst, bevor sie an anderen arbeiten
Das ist genau das, was Josia tat. Als Erstes erkannte er, was sich bei ihm ändern musste, und er veränderte es. Danach konnte er es den Menschen glaubhaft vermitteln und beschleunigte damit die Veränderung. Die Führungskraft leitet sich selbst zuerst.
5. Das Wertvollste, was eine Führungskraft an andere weitergeben kann, ist das Vorbild.
Führungsfähigkeit wird mehr abgeschaut als gelehrt. Jede Führungskraft darf ihre Fähigkeiten in der Kommunikation auf das höchste Niveau entwickeln. Aber Kommunikation ist mehr als nur Worte. Denn lebensverändernde Kommunikation und Transformation verbindet die Worte mit einem konsistenten und glaubwürdigen Vorbild. Es gibt nichts Irritierenderes als eine Führungskraft mit guten Gedanken und schlechtem Beispiel.
Immer wieder zeigen Umfragen unter den Mitarbeitern, dass sie sich von ihren Vorgesetzten wünschen, dass sie ein größeres Vorbild sind und dass sie sich an moralischen und ethischen Standards orientieren. Mal sind die Punkte am wichtigsten und mal nur auf Platz zwei oder drei. Aber immer sind sie oben mit dabei. Das sagt doch alles, oder? Das Vorbild ist entscheidend, aber auf der Basis moralischer und ethischer Standards.
Aus dem Lesen dieser beiden großartigen Kapitel im 2. Könige ist leider nicht erkennbar, ob Josia ein begnadeter Redner war. Es ist auch nicht ersichtlich, ob er so charismatisch war wie König David. Deutlich wird jedoch, wenn Josia in der heiligen Schrift gelesen hat, dann hat er die Kommunikation oft den Priestern überlassen. Er dachte vielleicht, dass er zu jung und unerfahren sei, um es selbst zu kommunizieren. Was aber ersichtlich wird, ist, dass sein Lebenswandel lauter gesprochen hat, als alle Worte zusammen. Sein Leben sprach Bände und bewirkte eine landesweite Transformation.
Beim Studium der Geschichte von Israel wird etwas besonders deutlich. Wenn gute Könige das Land leiteten, entwickelte sich das Land gut. Wenn schlechte Könige das Land leiteten, entwickelte sich das Land schlecht. Warum ist das so? Weil Menschen tun, was Menschen sehen. Es sind nicht die Worte allein, die Veränderung bewirken. Es braucht auch das Vorbild dazu. Denn ein gutes Beispiel ist mehr wert als ein guter Rat.