Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf ist Deutschlands Schule des Jahres 2026. Ihr Maßstab ist nicht der Notenschnitt, sondern der Nutzen für jedes einzelne Kind.
2 Min. Lesezeit5 AbschnitteSituationBezug zum Prinzip
Inhalt
Am 29. September 2026 erhielt die Bertha-von-Suttner-Schule den Hauptpreis des Deutschen Schulpreises, dotiert mit 100.000 Euro. Die Gesamtschule im südhessischen Mörfelden-Walldorf hat mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler und rund 250 Lehrkräfte. Schulleiterin Ute Zeller und ihr Kollegium zeigen, was das Prinzip vom Mehrwert in einer großen Organisation bedeutet: Führung misst sich daran, wie sehr sie andere voranbringt.
Dreizehn Punkte auf ganz unterschiedlicher Ausgangshöhe werden von je eigenen Linien bis zu einer gemeinsamen goldenen Linie getragen – wie jedes Kind an der Bertha-von-Suttner-Schule das bekommt, was es braucht.
01
Der Auftrag in einem Satz
Situation
Zeller beschreibt die Aufgabe der Schule so: „jedem Kind das zu geben, was es braucht“. Die Jury hält fest: „Niemand verlässt ‚die Bertha‘ – wie sie von allen genannt wird – ohne Perspektive.“
Bezug zum Prinzip
Mehrwert beginnt mit der Frage, was der andere braucht, nicht mit der Frage, was die Organisation anbietet. Ein klarer Auftrag in einem Satz richtet 250 Lehrkräfte auf dasselbe Ziel aus.
02
Schwierige Ausgangslage, hoher Anspruch
Situation
Nach Angaben der Jury wächst eine Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in prekären Verhältnissen auf. Die Schule helfe ihnen, „ihre Potenziale bestmöglich auszuschöpfen“.
Bezug zum Prinzip
Wer Mehrwert schaffen will, nimmt Menschen dort an, wo sie stehen. Die Schule behandelt die Unterschiede ihrer Schüler nicht als Störung, sondern als Ausgangspunkt der Arbeit.
03
Strukturen, die dem Einzelnen dienen
Situation
Dreimal pro Woche arbeiten die Jugendlichen 90 Minuten lang an individuellen Aufgaben, begleitet von Lehrkräften. Ein digitales „Lernnetz“ zeigt Lücken und schlägt nächste Schritte vor; eine eigene KI unterstützt etwa in Mathematik. Lerncoaches begleiten die Schüler über Jahre.
Bezug zum Prinzip
Gute Absicht reicht nicht. Mehrwert braucht Abläufe, die ihn jeden Tag erzeugen. Hier dienen Daten dazu, das nächste Lernziel zu finden, nicht dazu, Urteile zu fällen.
04
Flache Hierarchien
Situation
Zeller setzt auf flache Hierarchien. Hauslehrkräfte arbeiten mit den Klassenlehrkräften zusammen, um früh zu erkennen, wer Unterstützung braucht.
Bezug zum Prinzip
Hier greift das Prinzip der Bevollmächtigung. In einer Schule dieser Größe kann die Leitung nicht jedes Kind kennen. Sie kann aber dafür sorgen, dass die Menschen nah am Kind entscheiden dürfen.
05
Die Wirkung kommt an
Situation
Ein Schüler sagte dem Hessischen Rundfunk, dass „die Lehrer hier einen viel mehr fördern, sich mehr kümmern“. Die Jury lobt, wie eine große Schulgemeinschaft gemeinsame Bildungsziele konsequent verfolgt.
Bezug zum Prinzip
Der Maßstab für Mehrwert ist das Urteil derer, denen er gilt. Wenn Schüler den Unterschied selbst benennen, ist die Absicht zur Wirkung geworden.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Formuliere deinen Auftrag aus Sicht der Menschen, denen du dienst.
02
Nimm die Ausgangslage an, statt sie zu beklagen.
03
Baue Mehrwert in die Abläufe ein, damit er nicht vom Zufall abhängt.
04
Gib Entscheidungen dorthin, wo die Nähe zum Menschen am größten ist.
05
Frage die Betroffenen, ob dein Mehrwert bei ihnen ankommt.
Zusammenfassung
Die „Bertha“ zeigt, dass Größe und persönliche Zuwendung kein Widerspruch sind. Ein klarer Auftrag, verlässliche Strukturen und Vertrauen in das Kollegium machen aus einer Gesamtschule mit 2.000 Jugendlichen einen Ort, den niemand ohne Perspektive verlässt. Das ist dienende Führung im Schulalltag.