Mit 88 Jahren kehrte Margot Friedländer nach Berlin zurück und sprach fortan mit jungen Menschen. Ihr Leben zeigt, wie Führung anderen dient, ganz ohne Amt.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Prinzip
Inhalt
Am 9. Mai 2025 starb Margot Friedländer im Alter von 103 Jahren in Berlin. Zwei Tage zuvor hatte sie noch an einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des Kriegsendes teilgenommen. Die Holocaust-Überlebende hatte ihre letzten 15 Lebensjahre der Erinnerungsarbeit gewidmet, vor allem an Schulen. Sie hatte keine Position und keine Weisungsbefugnis. Ihr Wirken zeigt dennoch klar das Prinzip vom Mehrwert: Führung heißt, anderen zu dienen und ihr Leben zu bereichern.
Von einem goldenen Punkt breiten sich Wellenringe aus und erreichen viele helle Punkte – wie Margot Friedländers Worte, die junge Menschen bereicherten.
01
Ein Auftrag aus dunkler Zeit
Situation
Margot Friedländer wurde am 5. November 1921 in Berlin geboren. Im Januar 1943 wurde ihre Mutter deportiert. Sie hinterließ der Tochter die Botschaft: „Versuche, dein Leben zu machen.“ Margot Friedländer lebte im Untergrund, wurde 1944 verhaftet und nach Theresienstadt gebracht. Mutter und Bruder wurden ermordet. 1946 wanderte sie in die USA aus.
Bezug zum Prinzip
Mehrwert entsteht oft aus der eigenen Geschichte. Margot Friedländer machte aus ihrer Erfahrung später ein Geschenk für andere. Führungskräfte können fragen: Was habe ich erlebt, das anderen heute weiterhilft?
02
Neuanfang mit 88 Jahren
Situation
2008 erschien ihre Autobiografie mit dem Satz der Mutter als Titel. 2010 zog sie dauerhaft von New York nach Berlin. Sie erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft zurück. Von da an trat sie als Zeitzeugin auf.
Bezug zum Prinzip
Wer anderen dienen will, geht dorthin, wo er gebraucht wird. Das kostete in ihrem Fall die vertraute Umgebung. Es gibt für einen solchen Beitrag kein falsches Alter. Führung durch Mehrwert beginnt mit der Bereitschaft, sich selbst zu bewegen.
03
„Seid Menschen!“
Situation
Margot Friedländer las in Schulen aus ihrem Buch und sprach mit den Jugendlichen. Ihr Appell lautete: „Seid Menschen!“ Sie trug ihn hundertfach in Klassenzimmern, Rathäusern und Gedenkstätten vor. Sie erklärte, die jungen Menschen hätten heute die Chance, die ihr Bruder nie hatte.
Bezug zum Prinzip
Hier verbindet sich Mehrwert mit dem Prinzip vom Vorbild. Sie sprach ohne Hass und lebte, was sie forderte. Menschen folgen einer Botschaft, wenn die Person dahinter glaubwürdig ist. Eine kurze, klare Botschaft bleibt zudem länger im Gedächtnis.
04
Wirkung über das eigene Leben hinaus
Situation
Seit 2014 gibt es den Margot-Friedländer-Preis, zunächst vergeben von der Schwarzkopf-Stiftung. Er würdigt Einsatz für Toleranz und gegen Antisemitismus. 2023 gründete sie die Margot-Friedländer-Stiftung, die den Preis seit 2024 trägt. 2018 wurde sie Ehrenbürgerin von Berlin.
Bezug zum Prinzip
Wer anderen nachhaltig dienen will, baut Strukturen, die ohne ihn weiterarbeiten. Preis und Stiftung tragen ihr Anliegen weiter. Führungskräfte sollten früh überlegen, wie ihr Beitrag sie überdauern kann.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Frage dich, welche deiner Erfahrungen anderen nützt.
02
Geh dorthin, wo dein Beitrag gebraucht wird.
03
Fasse dein Anliegen in wenige klare Worte.
04
Lebe selbst vor, was du von anderen erbittest.
05
Schaffe Strukturen, die dein Anliegen weitertragen.
Zusammenfassung
Margot Friedländer führte ohne Amt und ohne Macht. Sie gab jungen Menschen ihre Zeit, ihre Geschichte und einen klaren Auftrag. Weil sie selbst lebte, was sie sagte, wurde sie für viele zum Vorbild. Ihr Beispiel zeigt, dass Mehrwert für andere der Kern von Führung ist.