Reinhold Würth hat seine Nachfolge über fast vier Jahrzehnte in Schritten geregelt. Seit Januar 2025 führt die Enkelgeneration die Aufsichtsgremien der Würth-Gruppe.
2 Min. Lesezeit5 AbschnitteSituationBezug zum Prinzip
Inhalt
Zum 1. Januar 2025 gab Reinhold Würth sein letztes Führungsamt in der Würth-Gruppe ab. Der Unternehmer, geboren am 20. April 1935 in Öhringen, hatte aus einem kleinen Schraubenhandel einen Konzern gemacht. 2024 lag der Umsatz bei rund 20,2 Milliarden Euro, die Gruppe beschäftigte über 87.000 Menschen. Die Übergabe kam nicht plötzlich. Sie zeigt das Prinzip vom Vererben.
Eine goldene Linie springt in zwei Bögen über drei aufsteigende Plattformen bis zum leuchtenden Punkt auf der dritten – wie Reinhold Würths schrittweise Übergabe an die Enkelgeneration.
01
Früh selbst Verantwortung getragen
Situation
Adolf Würth gründete die Schraubenhandlung 1945. Sein Sohn Reinhold trat 1949 als Lehrling und zweiter Mitarbeiter ein. Als der Vater 1954 starb, war Reinhold Würth 19 Jahre alt. Er führte das Geschäft gemeinsam mit seiner Mutter Alma weiter.
Bezug zum Prinzip
Wer selbst früh übernehmen musste, kennt den Wert einer vorbereiteten Übergabe. Nachfolge beginnt mit der Frage, was nach der eigenen Zeit bleiben soll. Führungskräfte sollten diese Frage stellen, solange sie noch gestalten können.
02
Das Unternehmen vom Gründer lösen
Situation
1987 brachten Reinhold und Carmen Würth das Unternehmen in Familienstiftungen ein. 1994 zog sich Würth aus der operativen Geschäftsführung zurück. Er übernahm den Vorsitz im Beirat, dem obersten Aufsichtsgremium der Gruppe.
Bezug zum Prinzip
Ein Erbe braucht eine Struktur, die ohne den Gründer funktioniert. Stiftungen und Gremien trennen das Unternehmen vom Schicksal einzelner Personen. Für jede Führungskraft gilt im Kleinen: Zuständigkeiten müssen an Rollen hängen, nicht an Namen.
03
Schrittweise Macht abgeben
Situation
2006 übernahm Tochter Bettina Würth den Vorsitz des Beirats. Reinhold Würth blieb Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats. Sein Enkel Benjamin Würth wurde Anfang 2023 dort Stellvertreter. Er arbeitete zu diesem Zeitpunkt seit vielen Jahren im Unternehmen.
Bezug zum Prinzip
Bevollmächtigung gelingt in Stufen. Wer Nachfolger zuerst in echte Verantwortung bringt, kann ihre Arbeit sehen und sie begleiten. Vertrauen wächst durch übertragene Aufgaben, nicht durch Ankündigungen.
04
Die dritte Generation übernimmt
Situation
Zum 1. Januar 2025 übernahm Benjamin Würth den Vorsitz des Stiftungsaufsichtsrats von seinem Großvater. Sein Bruder Sebastian Würth folgte Bettina Würth als Vorsitzender des Beirats. Enkelin Maria Würth übernahm Aufgaben in den Kunst- und Kulturaktivitäten. Reinhold und Bettina Würth wurden Ehrenvorsitzende.
Bezug zum Prinzip
Ein Erbe ist erst gesichert, wenn mehrere Schultern es tragen. Die Aufteilung auf verschiedene Gremien verhindert, dass alles an einer Person hängt. Wer übergibt, sollte Rollen so verteilen, dass sie zu den Stärken der Nachfolger passen.
05
Loslassen aussprechen
Situation
Würth äußerte sich öffentlich zum Wechsel. Die Stuttgarter Zeitung zitierte ihn mit dem Satz: „Aber Benjamin ist die Zukunft des Konzerns.“ Nach der Übergabe sagte er laut Medienberichten: „Ich werde es lässiger nehmen als seither.“ Er kündigte an, sich zurückzuhalten.
Bezug zum Prinzip
Nachfolger brauchen öffentliche Rückendeckung des Vorgängers. Ein klares Wort stärkt ihre Autorität nach innen und außen. Zum Vererben gehört die Selbstverpflichtung, nicht mehr hineinzuregieren.
Das nimmst du mit
Die wichtigsten Lektionen
01
Beginne mit deiner Nachfolge, lange bevor sie nötig wird.
02
Binde Zuständigkeiten an Rollen und Strukturen, nicht an deine Person.
03
Gib Verantwortung in Stufen ab und begleite die Nachfolger dabei.
04
Verteile dein Erbe auf mehrere Schultern.
05
Stärke deine Nachfolger öffentlich und halte dich danach zurück.
Zusammenfassung
Reinhold Würth hat seine Nachfolge über Jahrzehnte vorbereitet: Stiftungen 1987, Rückzug aus dem Tagesgeschäft 1994, Übergabe des Beirats 2006. Seit 2025 führen seine Enkel die beiden Aufsichtsgremien. Der Wert eines Führenden zeigt sich an dem, was ohne ihn weiterläuft.